Deutschland

Schlossherren auf Zeit: Unser langes Wochenende im Kylltal und ein Abstecher nach Luxemburg

Für das verlängerte Wochenende im Mai 2026 stand uns der Sinn nach einer kleinen Zeitreise. Von unserer Heimatbasis in Bonn aus machten wir uns auf den Weg in die Eifel, genauer gesagt in das malerische Kylltal. Unser Ziel: Schloss Malberg. Und was sollen wir sagen? Wir haben uns tatsächlich für ein paar Tage wie echte Edelleute gefühlt! Da unser plüschiger halber Passagier im Rucksack natürlich wieder mit von der Partie war, zog also die komplette dreieinhalbköpfige Reisegesellschaft in die herrschaftlichen Gemächer ein.

Schloss Malberg Hoch über dem Kylltal thront das barocke Schloss Malberg auf einem Bergsporn. Die historische Anlage mit ihren beeindruckenden Gebäuden und den liebevoll gepflegten Gartenanlagen („Eiserner Garten“ und „Runder Garten“) blickt auf eine jahrhundertelange Geschichte zurück. Heute wird das Schloss nach aufwendigen Restaurierungen für Kulturveranstaltungen, Führungen und als einzigartige Unterkunft genutzt. Link: Schloss Malberg

Das Abenteuer begann schon bei der Anreise. Wer auf dem Schloss übernachtet, darf sein Auto direkt im inneren Schlosshof parken. Allerdings wurden die massiven Torbögen in einer Zeit gebaut, als man hier noch mit schmalen Pferdekutschen vorfuhr. Mit einem modernen, breiten Auto hieß es da ganz klar: Außenspiegel einklappen, tief durchatmen und Millimeterarbeit leisten!

Unsere Bleibe für das Wochenende befand sich direkt im Schloss. Da es dort insgesamt nur zwei Gäste-Apartments gibt, hatten wir die weitläufige Anlage fast für uns allein – ein unbeschreiblich exklusives Gefühl.

Chateau Suites auf Schloss Malberg Inmitten der historischen Burgmauern verbergen sich die Chateau Suites – zwei brandneu und extrem hochwertig ausgebaute Apartments. Sie verbinden historischen Charme perfekt mit modernem Luxus, inklusive vollausgestatteter, hochmoderner Küchen und stilvollem Interieur. Ein absoluter Geheimtipp für eine Auszeit der besonderen Art. Link: Chateau Suites

Den ersten Abend nutzten wir, um „unsere“ Ländereien zu erkunden. Als Gäste der Suiten durften wir die gesamten Außenanlagen frei nutzen. Vor allem der sogenannte „Eiserne Garten“ im vorderen Bereich der Anlage ist mit seiner prachtvollen Blumenvielfalt atemberaubend schön.

Während Benjamin den Schlossgarten für eine ausgiebige Schatzsuche nutzte, testeten wir die „Lausch Tour“. Das ist ein wunderbares Angebot des Schlosses: Mit dem eigenen Smartphone und einer App spaziert man durch die Anlage und bekommt an verschiedenen Stationen spannende historische Fakten direkt aufs Ohr. Man schlendert durch den Garten und fühlt sich förmlich in die Vergangenheit zurückversetzt. Pünktlich zum Sonnenuntergang genossen wir dann bei strahlendem Sonnenschein den fantastischen Weitblick über den Ort, bevor wir uns in unsere Gemächer zurückzogen.

Am nächsten Morgen wartete direkt das nächste Highlight. Unser Gastgeber, Herr Niels Becker, der die Chateau Suites mit unheimlich viel Herzblut betreibt, servierte uns ein wunderbares Frühstück. Gedeckt war auf der Terrasse im hinteren Bereich des Schlosses, mit weitem Blick über den „Runden Garten“. Bei herrlichem Sonnenschein, duftendem Kaffee und frischen Brötchen ließen wir es uns richtig gut gehen. Herr Becker ließ dabei keine individuellen Wünsche offen.

Frisch gestärkt beschlossen wir, unserem Eifel-Kurztrip noch einen internationalen Anstrich zu geben: Wir fuhren ins nur 45 Autominuten entfernte Vianden in Luxemburg.

Stadt Vianden (Luxemburg) Das mittelalterliche Städtchen Vianden liegt malerisch an den Ufern des Flusses Our. Mit seinen engen, kopfsteingepflasterten Gassen, der gotischen Trinitarierkirche und dem berühmten Victor-Hugo-Haus zieht der charmante Ort Besucher aus aller Welt an. Überragt wird alles von der majestätischen Burg, dem Wahrzeichen der Stadt.

Es war ein sonniger Sonntag im Mai – und diese grandiose Ausflugs-Idee hatten wir leider nicht exklusiv. Die Parkplatzsuche im Ort gestaltete sich als echtes Geduldsspiel. Nachdem wir Vianden mehrfach erfolglos abgefahren hatten, kapitulierten wir und wichen auf den Parkplatz am höhergelegenen Schwimmbad aus. Das bedeutete zwar einen gut 15-minütigen Fußmarsch hinunter in den Ort, belohnte uns aber mit einem herrlichen Panoramablick auf die Stadt.

Unten angekommen, steuerten wir direkt die berühmte historische Seilbahn an, um uns den schweißtreibenden Aufstieg zur Burg zu sparen.

Burg Vianden & Sessellift Die Burg Vianden zählt zu den größten und schönsten feudalen Residenzen der romanischen und gotischen Zeit in Europa. Ein besonderes Erlebnis ist die Anreise: Der einzige Sessellift Luxemburgs bringt Besucher vom Tal direkt hinauf zur Burg und bietet spektakuläre Ausblicke auf das Our-Tal.

Die Fahrt mit dem Sessellift war fantastisch und bot uns unzählige Fotomotive. Von der Bergstation zur Burg standen verschiedene Fußwege zur Auswahl. Wir entschieden uns wagemutig für den kurzen, aber knackig steilen Pfad. Während Victoria und ich uns bei den fast sommerlichen Temperaturen die ein oder andere Verschnaufpause gönnen mussten, hüpfte unser siebenjähriger Benjamin den Berg hinauf wie ein junger Geißbock.

An der Burg war der Andrang enorm, und wir mussten eine ganze Weile in der Schlange stehen. Doch das Warten hat sich absolut gelohnt! Die Ausstellung ist unheimlich liebevoll und detailliert gestaltet. Mit dem Audio-Guide taucht man tief in den mittelalterlichen Alltag ein. Benjamin war völlig fasziniert von den echten Ritterrüstungen und den gewaltigen Ausrüstungsgegenständen. Nachdem wir alles ausgiebig erkundet hatten, stärkten wir uns im burgeigenen Restaurant – für Benjamin durfte das obligatorische riesige Eis natürlich nicht fehlen.

Anschließend spazierten wir zu Fuß von der Burg hinunter durch die malerische Altstadt. Obwohl es erst Ende Mai war, brannte die Sonne unerbittlich. Als wir an einem kleinen Brunnen vorbeikamen, zögerte Benjamin keine Sekunde, zog Schuhe und Strümpfe aus und kühlte seine Füße im eiskalten Wasser.

Noch besser wurde es unten im Tal: Die Uferpromenade des Flusses Our ist so toll gestaltet, dass man sich bequem ans Wasser setzen, die Schuhe abstreifen und durch das flache Flussbett waten kann. Eine herrliche Erfrischung!

Beim anschließenden Flanieren über die Promenade de l’Our entdeckten wir noch einen großen, toll gepflegten Spielplatz.

Spielplatz an der Promenade (Vianden) Ein weitläufiger, sauberer Spielplatz direkt am Flussufer, der sich ideal für eine Pause eignet, während die Kinder klettern und toben können. Link: Spielplatz auf Google Maps

Während Victoria und Benjamin es sich dort gemütlich machten und ausgiebig spielten, trat ich den sportlichen Teil des Tages an: Ich wanderte den Berg wieder hinauf zum Schwimmbad-Parkplatz, holte das Auto und sammelte meine beiden Entdecker bequem am Spielplatz wieder ein.

Zurück in Deutschland ließen wir diesen ereignisreichen Tag auf unserem Schloss in Malberg ausklingen. Im Eisernen Garten breiteten wir ein leckeres Picknick aus. Umgeben von Vogelgezwitscher, historischen Burgmauern und der wohligen Restwärme der untergehenden Sonne saßen wir dort fast ganz alleine. Es war ein magischer Moment, der uns als Familie sicher noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

Am nächsten Morgen wurden wir noch einmal mit Herrn Beckers tollem Frühstück auf der Burgterrasse verwöhnt, bevor wir unsere Koffer – samt Maskottchen – wieder ins Auto luden (Spiegel einklappen nicht vergessen!) und den Heimweg nach Bonn antraten. Eines ist sicher: An unsere Zeit als Schlossherren werden wir noch lange mit einem Lächeln zurückdenken.